Homepage - Sellia Marina - Die Ursprünge von Sellia
Die Ursprünge
Eine der ältesten Ansiedlungen der Region, Sellia, rühmt sich einer großen Vergangenheit, die mit der von Taverna und Catanzaro verbunden ist. Die geschichtlichen Deutungsversuche zu den Ursprüngen des Ortes sind äusserst widersprüchlich. Nach der Chronik des Galas wurde Sellia zwischen dem 9. und dem 10. Jahrhundert von Flüchtlingen aus der antiken Küstenstadt Trischene gegründet. Um sich vor den furchtbaren Raubzügen der Sarazenen zu retten, flüchteten sie auf den Berg Sellion, der ihnen bessere Verteidigungsmöglichkeiten bot. Hier gründeten sie die Ansiedlung Asilia, von der sich sich der Name Sellia ableitet.
An dieser Stelle ist Genaueres zu Trischene zu sagen. Es wird berichtet, dass zu der Zeit als Kalabrien von Byzanz beherrscht wurde und seine Küsten von sarazenischen Raubzügen heimgesucht wurden, sich in der Region zwischen Squillace und Crotone, nahe der Mündung der Flüsse Marvotrinchison (dem heutigen Simeri) und Aroca (heute Crocchio) eine große Stadt mit Namen Trischene befand. Trischene kommt vom griechischen „Treis Schenè“, da sich die Stadt aus drei Ansiedlungen zusammensetzte, in denen sich die drei Hauptkirchen befanden. Trischene wurde, begünstigt durch seine Lage, zu einer reichen und blühenden Stadt. Sie wurde von den Sarazenen zerstört und die Einwohner flüchteten. An befestigten und sicheren Orten wurden neue Städte gegründet. Ein Teil der geflohenen Einwohner ließ sich in süd-östlicher Richtung auf dem Berg Sellion nieder, wo sie Asilia gründeten.
Es ist wahrscheinlich, dass Sellia von den geflohenen Einwohnern Trischenes gegründet wurde. Andererseits lassen in der Umgebung des Orts gefundene Objekte vermuten, dass Sellia schon vor der Ankunft dieser Flüchtlinge bestand und seine Gründung vor dem 9.-10. Jahrhundert liegt. Tatsächlich wurde während Grabungen 1880 in der Schlucht von Pallara eine Bronzeaxt griechischer Herkunft gefunden, ähnlich oder sogar älter als die vorher im Coscile-Tal gefundenen, in dem sich die antike Stadt Sibari befand. Zu der erwähnten, im folgenden dann verschwundenen Axt, fehlt jegliche geschichtliche Dokumentation. Entsprechend einer niemals völlig bestätigten populären Tradition befand sich an dem Fundort ein kleiner der Göttin Pallade geweihter Tempel, von dem sich der Namen der Schlucht – eben Pallara – ableiten soll.
Im folgenden wurde entdeckt, dass dieser Ortsnamen – in der ganzen Welt – sich nur in Kalabrien und auf Kreta nachweisen lässt und dass, darüber hinaus, zwischen dem kretischen Ort Sellia und der Region in der die beiden kalabrischen „Sellia“ liegen, Verbindungen bestanden. Man stellte fest, dass nicht sehr massive aber dauerhafte Kontakte gepflegt wurden zwischen Kalabrien – dem antiken Bruzio – Kreta und den Phöniziern. Zwischen 1400 und 1200 v.Ch. erfolgte eine starke Einwanderung dieser Völker nach Kalabrien, wo sie sich mit der ansässigen Bevölkerung mischten. Die Gründung von Sellia könnte auf diese Epoche zurückgehen. Das Interesse dieser Völker an unseren Küsten wurde vom Vorhandensein von Nadelwäldern genährt, deren Holz bedeutend war für den Schiffbau und Schiffe waren von vitaler Bedeutung für Handel und Kriegsführung. Dazu kam die Pechherstellung in Bruzio und Pech diente der Dichtung der hölzernen Schiffe. Diese Völker fanden also bei uns einen bedeutenden Ort für ihre Versorgung mit Rohstoffen. Auf den Hügeln führten sie den intensiven Olivenanbau ein. Der für das heutige Kalabrien noch charakteristische Kult der Gastfreundschaft kommt aus kretischer Tradition. Die Einwanderung von Kretern und Phöniziern nach Kalabrien wird sowohl durch Ortsnamen kretischen Ursprungs als auch durch archäologische Funde bestätigt. Die Namen einiger kalabresischer Dörfer, fast alle an der ionischen Küste gelegen, weisen starke Ähnlichkeiten auf mit den Namen von im zentral-östlichen Kreta sich befindenden Orten. Das rasche Ende dieser entwickelten und reichen Zivilisation wurde vom Aufstieg des römischen Reiches verursacht.
Eine Bestätigung dafür, dass der Ort seit vorchristlicher Zeit besiedelt ist, liefert der Bericht eines Pfarrers von Sellia, Don Giuseppe Rosi. Er berichtet, dass auf dem Altar der Kirche St. Angelo diese Worte eingeschrieben waren: „Hoc transiit Timotheus“ („Hier ist Timotheus durchgereist“). Timotheus, einer der Verbreiter des Christentums im 1. Jahrhundert n.Ch. und Schüler des Apostels Paulus, folgte diesem nach Rom und starb dort den Märtyrertod während der Neronischen Christenverfolgung. Es ist wahrscheinlich, dass Timotheus tatsächlich durch Sellia kam als Paulus in Reggio Calabria an Land ging bevor er nach Rom weiterreiste. Von dieser Kirche und der Altareinschrift sind keine Spuren mehr erhalten.